Mentoring – Wirklich notwendig?

Nach der Definition von Wikipedia ist ein Mentor:in folgendes: Mentoring, auch Mentorat, bezeichnet als ein Personalentwicklungsinstrument – insbesondere in Unternehmen, aber auch beim Wissenstransfer in persönlichen Beziehungen – die Tätigkeit einer erfahrenen Person. Sie gibt ihr fachliches Wissen oder ihr Erfahrungswissen an eine noch unerfahrenere Person weiter.

Ein:e Mentor:in dient demnach dazu einer Person seine Erfahrung und Best Practices weiterzugeben und zu vermitteln. Sehen wir uns zurzeit auf den Social Media Kanälen um, so stoßen wir in der Coaching-Branche auf unzählige Mentoren:Mentorinnenangebote. Teilweise geht es den Firmen darum, sich Nachwuchs zu züchten, um ihre Philosophie beständig in der Welt verbreiten zu können. Manche möchten einfach ihr Wissen weitergeben, um andere ein Stück des Weges zu begleiten. Die Gegenleistung ist oft Geld oder Daten. Doch eigentlich bedeutet Mentoren:Mentorinnenschaft doch auch, dass man sein Wissen gerne und kostenlos weitergibt, oder!?
Das Suchen nach einem:einer Mentor:in ist das beruflichen Pendant zum Warten auf den Prinzen geworden – Sheryl Sandberg
Das Teilen von wichtigem Wissen ist durch den digitalen Wandel erheblich angekurbelt worden. Selten war es so einfach wie heute Informationen, Erfahrungen und Best Practices zu teilen. Theoretisch könnte jeder:jede ein:e Selfmade-Millionär:in werden. Wenn er:sie sich an den:die richtigen:richtige Mentoren:Mentorin hält. So scheint es.

Social Media Mentoren

Bei Instagram selbst gibt es Produkt-Scammer, deren Ziel es ist, Mitglieder:innen für ihr Team zu bekommen. Sie haben ein Instagramprofil mit tollen, hochwertigen Bildern, die nur ganz dezent darauf hinweisen, dass ihr Leben besser geworden ist, seitdem sie folgendes Produkt verwenden. Sie schreiben Private Nachrichten mit Komplimenten zum eigenen Profil und der Frage, ob sie ein bisschen was von sich erzählen sollen. Wenn du Interesse bekundest, bekommst du ein Video von einer Welt, die nach Spaß, Zusammenhalt und Freiheit aussieht. Bist du dann on fire, schicken sie dir eine Erklärung des Verkaufsprozesses zu, indem du ein Franchise mit einem Betrag xx gründen bzw. eine Lizenz kaufen sollst. Sie versprechen dir Hilfe bei deiner Vermarktung, weil sie ja die Profis sind und sich auskennen. Ist das Mentorship?

Bist du ein:e Mentor:in?

Willst du selbst Coach:in werden, ist das gar kein Problem. Du kannst entweder Online-Seminare zu allen Themen ums Online-Business buchen oder direkt eine Ausbildung in einer einschlägigen Akademie machen. Hier lernst du gegen eine ordentliche Summe das “Beste aus dir rauszuholen” und am Ende kannst du das mit Zertifikaten auch belegen. Die tatsächliche Selbstvermarktung ist natürlich dir überlassen. Dank diverser Internetportale ist es ebenfalls möglich den:die perfekten:perfekte Mentoren:Mentorin für einen zu finden. Für unter 100€ habe ich die Möglichkeit jemanden zu finden, der genau die Expertise mitbringt, die ich brauche, um erfolgreicher zu werden. So heißt es jedenfalls. Wann weiß ich denn, ob ich einen:eine Mentor:in überhaupt benötige? Das Buch “Rich Dad Poor Dad” handelt von der erfolgreichen Mentor:innenschaft, um ein gutes Verständnis für Geld zu entwickeln. Auch hier wird das Wissen nicht kostenfrei rausgegeben, sondern gegen Arbeit vergütet. Lohnt es sich dann, einen:eine Mentor:in im beruflichen Umfeld zu suchen? Ist dann ein:e Chef:in automatisch ein:e Mentor:in?
Leiste hervorragendes und du wirst einen:eine Mentor:in finden – Sheryl Sandberg
Bei der Recherche liest man immer wieder, dass ein:e Mentor:in folgende Eigenschaften besitzen sollte:
  • Zeit für den Mentee: Eine Mentoren:Mentorinnenschaft nimmt Zeit in Anspruch. Es ist selten die Hauptaufgabe des:der Mentors:Mentorin, sondern er:sie macht es nebenher. D.h. er:sie muss zusätzliche Zeit in den Mentee investieren, um ihm zu helfen.
  • Informationsfluss: Als Mentor:in unterstützt man den Mentee mit Erfahrungen, Wissen und Kontakten. Daher sollte ein stetiger Informationsaustausch gewährleistet werden.
  • Unterstützung: Einer der wichtigsten Punkte ist die absolute Unterstützung des Mentee. Dafür wurde man als Mentor:in schließlich auserwählt. Eine Vertrauensbasis ist hierfür entscheidend, die Offenheit und Transparenz beinhaltet. Der Mentee kann alles äußern und hat seinem:seiner Mentor:in gegenüber keinerlei Hemmungen. Daher ist die eigene Führungsperson nicht immer die richtige Wahl.
  • Fokus: Der:die Mentor:in fokussiert sich zusehends auf die Bedürfnisse seines Schützlings und versucht ihn in allem zu unterstützen ebenso wie zurückzuhalten, wenn Aktionen drohen in die falsche Richtung zu laufen.
  • Ziele: Um ein gutes Mentoring hervorzubringen, ist es unheimlich wichtig, dass Mentor:in und Mentee als Basis die Ziele der Zusammenarbeit feststecken.

Do it for free

In keinem Wort wird erwähnt, dass es üblich ist, Geld dafür zu verlangen. Natürlich ist es klar, dass man sein hart erarbeitetes Wissen nicht gerne ohne Gegenleistung rausgeben möchte. Teilweise beruht das Business-Konzept darauf. Jedoch werfe ich die Frage auf, wie notwendig Mentor:innenschaft überhaupt ist und welche Arten es gibt.

Schau dich in deinem Umfeld um

Schließlich kann auch der:die Kollege:Kollegin, Freund:in oder allgemein die Umgebung eine gewisse Mentor:innenschaft sein. Nicht zwangsläufig kann ich mich nur durch bezahlbare Mentoring-Kurse weiterbringen. Wie ist es, wenn ich einen Rat bei einer:einem Kollegen:Kollegin suche? Ist das nicht in dem Fall auch ein kurzes Mentoring? Bevor man zu einem ausgeklügelten Mentoring-Programm greift, würde ich mir selbst immer die Frage stellen, inwieweit ich einen:eine Mentor:in brauche und für was. Das Gleiche gilt für die Mentoren:Mentorinnenrolle. Ganz entscheidend ist die Frage nach der zeitlichen Verfügbarkeit und die sollte man möglichst früh klären, bevor man sich als Mentor:in zur Verfügung stellt. Bisher habe ich mir in jeder Umgebung immer Mentoren:Mentorinnen gesucht. Das waren Arbeitskolleginnen, Vorgesetzte, Freundinnen, Familie. Es gibt so viel, was man von anderen lernen kann, wenn man nur die Augen offen hält. Diese Personen geben einem meistens auch gerne Feedback, wenn man sich traut danach zu fragen. Denn oft ist es eher eine Frage des Herantretens an das Thema Selbstverbesserung als niemandem zum Mentoring finden. Daher bevorzuge ich in erster Linie das Lebens-Mentoring.
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